Wir Menschen brauchen Wildbienen und andere Insekten für den Erhalt unserer eigenen Lebens-grundlage.
Die Natur braucht Räume, in denen sie ganz für sich Wildnis sein darf.

Bienenbänder vernetzen

Nicht einzelne Blühflächen verändern unsere Landschaft. Erst wenn viele kleine Lebensräume miteinander verbunden werden, entstehen Naturbänder, auf denen Wildbienen von Blüte zu Blüte und von Nistplatz zu Nistplatz gelangen können – wie einst entlang der Hecken, die unsere Landschaft durchzogen.

Nicht der Mangel an Blühflächen allein macht Wildbienen das Leben schwer, sondern ihre Isolation. Viele Arten legen auf der Suche nach Nahrung und geeigneten Nistplätzen nur kurze Strecken zurück. Sind die Abstände zu groß, verschwinden ihre Lebensräume – und mit ihnen ein wesentlicher Teil der Bestäubung unserer heimischen Pflanzen.

Bienenbänder greifen den Gedanken der historischen Heckenlandschaften neu auf. Sie verbinden Gärten, Ackerränder, Böschungen, öffentliche Grünflächen und Unternehmensgelände zu einem Netzwerk aus Nahrung und Nistplätzen. Aus vielen kleinen Flächen entsteht ein zusammenhängender Lebensraum – für Wildbienen und andere Insekten, aber auch für eine vielfältige und widerstandsfähige Kulturlandschaft.

Wildnisinseln ermöglichen

Wir schützen Wildnis nicht, weil wir wissen, was dort entstehen soll. Wir schützen sie, weil wir es nicht wissen können.

Wildnisinseln sind Orte, an denen die Natur wieder ihren eigenen Weg gehen darf – ohne Nutzung, ohne Pflege und ohne die ständige Korrektur durch den Menschen. Sie schaffen Rückzugsräume, in denen Regeneration, Artenvielfalt und natürliche Entwicklungsprozesse möglich werden.

Wir wissen heute nicht, welche Arten, welche Gene oder welche Wechselwirkungen wir morgen brauchen. Evolution lebt von Vielfalt – und Vielfalt braucht Räume, in denen Neues entstehen darf. Wildnis hält diese Möglichkeiten offen. Nicht, weil wir wissen, was daraus wird. Sondern gerade, weil wir es nicht wissen.

Jede Wildnisinsel bewahrt Möglichkeiten für die Zukunft. Gemeinsam halten sie Räume offen, in denen Evolution möglich bleibt.

Beiträge ergänzen sich

Große Wildnisgebiete und weitreichende Biotopverbünde sind ebenso unverzichtbar wie viele kleine Flächen, die Lebensräume verbinden oder der Natur Raum zur Regeneration geben. Jeder Quadratmeter zählt. Denn erst das Zusammenspiel vieler großer und kleiner Lebensräume macht unsere Landschaft lebendig.

Viele Menschen, Unternehmen, Organisationen und Initiativen engagieren sich bereits für Arten-, Landschafts-, Natur- und Wildnisschutz. Nicht jeder Beitrag muss groß sein. Gemeinsam machen sie den Unterschied.

Auch Bienenbänder und Wildnisinseln verstehen sich als Beitrag zu diesem größeren Ganzen. Sie ergänzen bestehende Initiativen und laden dazu ein, selbst zum Schutz von Artenvielfalt, Landschaft und Wildnis beizutragen.

Fürs Überleben genügt Evolution.

Niklas Luhmann